Verfasst von: sarahdomrep | 18. November 2009

“Es que son los dominicanos!” – “Es sind eben Dominikaner!”

Saludos amigos,

viel passiert ist in den letzten 2 Monaten! Unglaublich, dass ich bereits seit 2 Monaten hier bin, so kommt es mir doch vor, als wuerde die Zeit hier rasend schnell vergehen. Ebenso rasend schnell wie die Zeit vergeht, scheine ich mich auch an alles Neue und “Komische” gewoehnt zu haben. So faellt es mir mittlerweile schon etwas schwerer, genau das “Komische” und “Neue” herauszusuchen, um es euch zu beschreiben. Mir ist aufgefallen, dass eine Liste mit allen Sachen, die mir in den ersten 2 Wochen anders erschienen sind, unheimlich witzig schon jetzt nach 2 Monaten gewesen waere, ganz zu schweigen von nach einem Jahr. Naja, beim naechsten Mal :)

So ist es fuer mich mittlerweile zum Alltag geworden, taeglich mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Wenn ihr jetzt an Busse, Zuege, Strassenbahnen oder aehnliches denkt, dann tappt ihr sehr im Dunklen.
Das Transportmittel schlechthin in Santiago ist das “concho” oder auch “carro publico” genannt. Diese Conchos funktionieren eigentlich wie Busse: Es gibt viele verschiedene, die immer eine ganz bestimmte Strecke der Stadt abfahren. Der “einzige” Unterschied: Es sind ganz normale Autos, obwohl man bei einigen auch nicht wirklich mehr von normal oder sogar von Autos sprechen kann, da sie beispielsweise in Deutschland nie auch nur annaehernd durch den TUEV gekommen waeren. (Gerne wuerde ich davon Fotos machen, aber das schaetze ich noch zu gefaehrlich ein) Um dieses Verkehrsmittel zu nutzen, braucht man sich auch nicht etwa an “Conchohaltestellen” oder aehnliche organisierte Unnoetigkeiten zu stellen, nein, man stellt sich einfach irgendwo an die Strasse und sobald ein Concho vorbeikommt (sowieso meistens hupend), macht man eine laessige Handbewegung und steigt ein. So eine Fahrt, die man zeitweilens mit 5 oder 6 anderen Personen (der Fahrer nicht mitgezaehlt) teilen darf, kostet 15 Pesos (rund 28 Cent). Wundert ihr euch ueber die hohe Anzahl an Personen? Ein Concho ist erst dann voll, wenn auf dem Beifahrersitz 2 und auf der Rueckbank 4, mit Kindern auch mal 5 Menschen sitzen. Und das bei tropischen Temperaturen und lateinamerikanischer Musik auf voller Lautstaerke, ein absolutes Erlebnis! So etwas wie Anschnallgurte sind in Deutschland ja auch voellig ueberwertet, genauso wie die StVO. Jedes Mal aufs Neue frage ich mich, ob es in diesem Land ueberhaupt Verkehrsregeln gibt, so war ich doch von Istanbul schon einiges gewoehnt. Rechts vor links? So ein Quatsch! Bei Rot halten? Nein, Gas geben! Und natuerlich koennen auf einer einspurigen Fahrbahn auch 2 Autos nebeneinander fahren, warum auch nicht?! Auch die Rechte von Fussgaengern werden voellig missachtet, was mich immer wieder an den Rand von Wutausbruechen bringt.

Apropos Wutausbrueche: Dominikanische Maenner! Ich bin mittlerweile der festen Ueberzeugung, dass alle Dominikaner ein Machogen in sich tragen. Sie pfeiffen, rufen, zischen (das schlimmste ueberhaupt! psssssssss!), geben ihre meist sich doch auf beautiful und I love you begrenzte Englischkenntnisse preis, Autos fahren langsamer und hupen. Ihre Vorlieben beim Rufen liegen dabei wie gesagt auf ihren wenigen englischen Saetzen und dann natuerlich auf  “rubia” (=Blondine), “americana” und “gringa” (=Fremde, Auslaenderin). In Supermarkt ist es mir und meiner deutschen Freundin Meral nicht selten passiert, dass uns die Maenner gefolgt sind, um uns unheimlich penetrant und auffaellig anzustarren. Eigentlich dachte ich, dass man sich da irgendwann daran gewoehnen koennte, aber ehrlichgesagt, bis jetzt habe ich es noch nicht. Es ist auch sehr schwer zu dominikanischen Maennern eine Freundschaft aufzubauen, wie es ja in Deutschland ganz normal ist, dass Frauen und Maenner ohne mehr Interesse als Freundschaft fuereinander zu haben, sich unterhalten und zusammen abends mal weggehen. Unmoeglich hier, denn es sind eben Dominikaner, weitere Erklaerungen braucht es nicht :)

Mein Alltag in Santiago ist eigentlich in den letzten Wochen immer gleich: Frueh um halb 8 fahre ich mit meiner Gastmutter in die Schule. Dort habe ich mittlerweile das Gefuehl, dass ich eine Aufgabe habe. Naemlich, die 2 Lehrerinnen als ihre Assistentin zu unterstuetzen. Diese Aufgabe beinhaltet mit den Kindern zu spielen, Aufgaben in ihre Hefte zu schreiben und in der Pause mit ihnen auf den Hof zu gehen, um aufzupassen, dass alle friedlich sind und keinem etwas passiert. Projekt Tanzgruppe und Klavierunterricht ist also erstmal verschoben, aber ich denke, dass ich beides mit mehr Spanisch realisieren kann. Mittlerweile bin ich aber auch zu der Erkenntnis gekommen, was fuer eine tolle Arbeit die Lehrerinnen und Erzieherinnen an der Koerperbehindertenschule in Hoyerswerda leisten. Der Unterricht der Kinder hier ist keinesfalls vergleichbar mit dem in der KBS. So zweifle ich daran, ob die Lehrerinnen hier ueberhaupt eine spezifische Ausbildung fuer die Arbeit mit behinderten Kindern erhalten haben. Beispielsweise empfinde ich das pure Stillsitzen als Folter fuer Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren mit teils psychischen Problemen. Das sind eben auch die Probleme, auf die ich im Alltag stosse. Ich musste mir klarmachen, dass ich in den Koepfen der Lehrerinnen nichts veraendern kann, sondern nur meinen Teil leisten kann, dass die Schule fuer die Kinder zu einem Ort wird, wo sie auch Spass haben koennen. Meine neueste Methode die Jungs aus meiner Gruppe in Schach zu halten ist Daumencatchen. Das macht ihnen sehr viel Spass :) und wir verstehen uns auch ohne viele Worte!
Nach der Arbeit fahre ich meist mit dem Concho nach Hause oder auch mal ins Fitnessstudio. Abends bin ich oft mit Meral, ihrer Gastschwester Larissa oder Yanilka unterwegs. Wir gehen ins Kino (sehr billig: 150 Pesos, 3 Euro) oder leihen uns einen Film, essen in einem Restaurant in unserer Gegend oder essen zu Hause, mit Vorliebe Platano, Mangu oder Yuca mit Queso frito, frittiertem Kaese. Was ich hier ebenfalls nutze, ist das tolle Fruechte- und Saefteangebot. Zum Mittag kaufe ich mir jeden Tag einen frischen Fruchtsaft und dann entweder ein Kaesesandwich oder einen Obstsalat. Sehr gesund, sehr billig und vorallem sehr lecker :) Obwohl ich fuer dieses Essensauswahl von meinen Kolleginnen oefter schief angeguckt und gefragt werde, ob ich denn auf Diaet sei. Sie haben naemlich kein Verstaendnis fuer ein reisfreies Mittagessen. Reis gibt es zu allem, sogar zu Pasta und Kartoffeln.

Vorletztes Wochenende war ich mit Yanilka von Freitag zu Samstag, und dann mit Micki, meiner Lieblingsmitweltwaertslerin von Samstag bis Montag in Santo Domingo. Santo Domingo ist eine riesige Stadt, das wusste ich. Aber was ich nicht wusste, ist, dass die Altstadt, die sogenannte Zona colonial, taetsaechlich so wunderschoen ist. Hier finde ich jede meiner Erwartungen an eine typisch-karibische Altstadt wieder. Kein Wunder, dass die Zona Unesco Weltkulturerbe ist. Wir waren vorallem Samstagvormittag sehr touristisch unterwegs. Beeindruckend war die Basilica Menor de la Virgen de la Anunciación, die aelteste Kathedrale Amerikas.
Fruehstuecken waren wir in einem typisch dominikanischem Café. Obwohl es sehr lecker war, hat es sich nachtraeglich doch als Fehler herausgestellt, aber was waere denn ein Jahr in Lateinamerika ohne auch nur einziges Mal ohne Magen-Darm-Probleme gekaempft zu haben, oder?

Am Samstagabend, als wir mit einigen dominikanischen Freunden das Nachtleben Santo Domingos getestet haben, wurde dieses Lied in “Shots”, der, wer haette es gedacht, Shotsbar von Santo Domingo gespielt y me encanta esta cancion!!! Reinhoeren und freuen :) Viel Spass dabei und bis bald!


Antworten

  1. Liebe Sarah, heute habe ich es nochmals probiert und es hat geklappt mit der Seite. Danke für deine interessanten Berichte – nun bin ich auch auf “dem Laufenden”. Ich finde es wirklich toll, dass Du diesen Sprung in die weite, fremde Welt gewagt hast – davon habe als DDR-Jugendliche nur träumen können. Auch wenn Vieles ungewohnt ist – Du wirst nichts davon in Deinem weiteren Leben vergessen und es wird Dich prägen. Ich wünschte manchen unserer Mitbürger/innen eine solche Erfahrung – es muss ja nicht gleich Mittelamerika sein – ein wenig ostwärts würde auch schon reichen.
    Ich wünsche Dir viele tolle Erlebnisse, gute Freund/innen, beeindruckende Erfahrungen und überhaupt: alles Beste für 2010.
    Bis später mal wieder, ganz herzlich
    Gisela Kallenbach


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